Seit 1989 besteht an der Leonardo-da-Vinci-Oberschule eine Arbeitsgemeinschaft, in deren Rahmen Originaldokumente aus dem Archiv des Konzentrationslagers Majdanek in Polen bearbeitet und ausgewertet werden. Ein Motiv zur Gründung der AG lag im Verhalten einiger rechtsradikal gesinnter Schüler – zudem gab es in Neukölln 1990 zum Teil in einigen Wahlbezirken bis zu 20% Stimmen für die „Republikaner“.

Schüler aus dem 10. Jahrgang fuhren 1990 zum ersten Mal nach Majdanek (Polen) und arbeiteten dort in der Bibliothek und im Archiv der Gedenkstätte. Die Besichtigung des Konzentrationslagers und Begegnungen mit ehemaligen Häftlingen brachten die Geschichte greifbar nah.

Folgen waren eine intensive Auseinandersetzung auch im späteren Schulleben mit Ausländerfeindlichkeit und rechtsradikalem Gedankengut, Diskussionen mit Verfechtern radikaler Thesen in den Klassen waren nicht selten.

Bis heute sind viele Schüler nach Majdanek gefahren, einige davon mehrmals. Eine Ausstellung dokumentierte die Erfahrungen und die Ergebnisse der Arbeit. So weitete sich die Arbeit zu einem Forschungsprojekt aus. Die Ausstellung wurde – nach einer Übersetzung – auch in Polen gezeigt, wo sie über einen Verein an Schulen in Polen ausgeliehen wird.

Nach einem Besuch japanischer Lehrer kam der Gedanke auf, diese Ausstellung auch in Japan zu zeigen. 1995 wurden die Texte ins Japanische übersetzt, anschließend nahmen 40 Schüler und Lehrer des Berliner Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki teil. Im Gepäck hatten sie die Ausstellung über das ehemalige Vernichtungslager Majdanek in Ostpolen. Noch heute wird die Ausstellung dort in Rathäusern und Schulen vorgestellt.

Das Buch „Geschichte leben – Deutsche Schüler in Japan“ (Eugen Eichhorn, Masayo Kajimura, Fabian Schwarz, Heidemarie Sow; ISBN 3-928878-96-4) stellt das Schülerprojekt von den Anfängen bis zum Abschluss der Reise vor.

Teile der Ausstellung wurden auch ins Englische übersetzt. Neue Kontakte wurden nach Norwegen geknüpft, wo ehemalige Konzentrationslager-Häftlinge leben. 1998 fand auch eine Reise nach Israel statt, bei der in Yad Vashem die Forschungsergebnisse an die Gedenkstätte übergeben wurden.