Das Wetter, es ist immer das Wetter, das wie ein Damoklesschwert über unseren Festen steht, weil wir keine Aula haben, die den Hof ersetzen könnte. Aber es hielt, trotz einer Regenwahrscheinlichkeit von 90 % für 11 Uhr, wenn das Fest beginnen sollte. Wir haben die Technik mutig auf dem Hof aufbauen lassen und es war richtig, obwohl dann zwar das Wetter mitspielte, die Technik aber nicht so ganz. Aber das sind Petitessen. Wir hatten nur sechs Wochen von der Idee bis zur Durchführung, denn der Termin war dadurch vorgegeben, dass wir den letzten Schultag der Abiturienten dafür nutzen wollten, um dem 4. Semester noch ein Geschenk zum Abschluss der Schulzeit zu machen. Vor zwei Jahren, als wir den 1. International Day feierten, wurde uns erstmals bewusst, was wir für ein buntes Völkchen sind. Auch damals schon repräsentierten unsere Schülerinnen und Schüler 61 Länder. Das geht im Schulalltag unter. Aber es lohnt sich, der Vielfalt Raum zu geben, um zu zeigen, wie diese sprichwörtliche Multikulturalität die Schulgemeinschaft prägen kann. Ich will nicht verschweigen, dass wir die Möglichkeiten, voneinander zu lernen nicht voll ausschöpfen und dass hier ein großes Potential schlummert, das wir viel mehr nutzen sollten. Im Alltag messen wir die Schülerinnen und Schüler an dem, was sie in den einzelnen Fächern leisten, wie gut sie Deutsch oder Mathematik beherrschen, aber wir machen uns kaum bewusst, was sie sonst noch mitbringen, das wir nicht abrufen, weil es nicht notenrelevant zu sein scheint. Die Idee, ein Willkommensschild an der Eingangstür anzubringen, in allen Sprachen und in allen Schriftarten, die unsere Schülerinnen und Schüler beherrschen, machte sichtbar, was viele können.

Schon bei der Erhebung der Herkunft unserer Schülerschaft wurde deutlich, dass manche ihre Wurzeln nicht nur in einem oder zwei Ländern haben, sondern nicht wenige sind in bis zu vier Ländern verwurzelt und sprechen mehrere Sprachen, was wir kaum zur Kenntnis nehmen. Wie wichtig dies vielen ist, zeigte sich, nachdem wir angefangen hatten, die einzelnen Länderflaggen als DIN-A-4-Ausdrucke an die Decke in der Schulstraße zu hängen. Solange nur ein Teil der Flaggen angebracht war, bekam ich täglich Anfragen, warum gerade „die Flagge“ des betreffenden Schülers oder der Schülerin fehle. Als schon viele hundert Flaggen „wehten“, stellte sich heraus, Korea hatten wir vergessen. Das musste man unter der Masse erst einmal entdecken, aber es zeigt, wie wichtig es den Schülern war und dem Wunsch, diese Flaggen über den Tag hinaus hängen zu lassen, haben wir gern entsprochen.

Das Programm des International Day 2014Die Vorbereitungszeit war für mich die schönste Zeit seit langem, weil ich sehen konnte, wie mit zunehmend näher rückendem Termin immer mehr Schülerinnen und Schüler angesteckt wurden und mit großem Eifer an Klassen- oder Länderplakaten arbeiteten oder aufpassten, dass auch die Willkommens- und Auf Wiedersehen-Zeilen richtig geschrieben waren. Die Schulstraße, auf der die Stände aufgebaut waren, zeigte sich als weltumspannender Basar. Man konnte sich rund um den Erdball essen, lernen, wie sich der eigene Name in russischer, thailändischer, chinesischer Schrift schreibt, sich informieren über zahlreiche Länder, sehen, wie sich die einzelnen Klassen auf ihren Plakaten präsentierten uvm. Die schönsten Klassen- und Länderplakate sowie die schönsten landestypischen Kleidungen haben wir prämiert. Für das nächste Mal sollte man auch eine Prämierung der schönsten Stände ins Auge fassen, denn viele haben sich mit der Gestaltung große Mühe gegeben. Begonnen haben wir auf dem Hof mit dem gemeinsamen Lied „We are the world“, der Chor sang ein afrikanisches Lied, zwei Schülerinnen aus Sri Lanka präsentierten einen Tanz und Mark Kofi Asamoah aus Ghana sorgte mit seinen Trommeln für Stimmung. Das Klassenplakat der Klasse 7.2, die sich um einen Baum mit seinen sichtbaren Wurzeln gruppierten und dem Plakat den Titel gaben „Wir sind eins“, habe ich zum Aufhänger für mein Eingangsstatement genommen, weil es uns als Schulgemeinschaft gut charakterisiert.

Nazim Hikmets Gedicht

Leben
Einsam und frei
Wie ein Baum
Und brüderlich
Wie ein Wald
Das ist unsere
Sehnsucht

habe ich deshalb als Motto gewählt.

Auf jeden Fall sollte der International Day zur festen Einrichtung werden. Vielleicht mit einem Termin, an dem auch mehr Eltern teilnehmen können. Bleibt nachzutragen, dass der Erlös unseres Festes den Flüchtlingskindern aus Kriegsgebieten im Flüchtlingsheim in der Späthstraße zu Gute kommt. Dort gibt es ein noch sehr karges Spielzimmer, das wir mit Matten, Kissen und Spielsachen ausstatten werden, soweit unsere 800€ dafür reichen. Zum Schluss möchte ich den Schülerinnen und Schülern aus allen Jahrgangsstufen, die sich im Festkomitee zusammen gefunden haben, sowie Frau Gagel und Frau Schipper herzlich danken.

Doris Mischon-Vosselmann