Definition


Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Typografie? Der Duden sagt dazu folgendes:

  1. Kunst der Gestaltung von Druck-Erzeugnissen nach ästhetischen Gesichtspunkten; Buchdruckerkunst
  2. Typografische Gestaltung (eines Druck-Erzeugnisses)

Durch diese Definition ist auf jeden Fall schon einmal geklärt, woher der Begriff stammt, nämlich aus dem Bereich des Buchdrucks. Typografie heißt es, weil sogenannte Drucktypen (oder Lettern bzw. Typen) zu einem Schriftsatz zusammengestellt werden, der dann auf Papier übertragen wird.

Das Prinzip der Typografie ist heutzutage aber auch auf jedes andere Medium zu beziehen, das eine Seite oder ein Gesamtwerk nach gestalterischen Anforderungen zum Ziel hat. Dazu zählen nicht nur Bücher, Zeitungen, Poster oder Flyer, sondern auch digitale Medien wie Präsentationen.


Ziele der Typografie


  • Lesbarkeit des Textes optimieren
  • Harmonische, konsequente Gestaltung
  • Klare Gliederung des Textes

Lesbarkeit


Die Lesbarkeit eines Textes ergibt sich zum einen durch die Farbgebung und den Kontrast (siehe auch Farben), aber auch durch die Schriftgröße und die Schriftart.

Bei der Schriftgröße sollte man beachten, dass die Größe des Textes grundsätzlich die Wichtigkeit unterstreicht. Aber was wäre eine Regel ohne Ausnahmen?

Der Titel einer Präsentation wird häufig in einer sehr großen Schriftgröße gehalten, weil er schließlich das Thema der Präsentaion – und damit das scheinbar Wichtigste – repräsentiert. Dies muss aber nicht unbedingt sein. Man muss bedenken, dass das Thema eigentlich bekannt ist und vielleicht auch auf einer Eingangsfolie dargestellt werden kann. Ist das Thema außerdem mit einer Fragestellung verbunden, reicht der Platz oft für eine sehr große Schrift sowieso nicht aus. Letztendlich muss man auch beachten, dass die Titelzeile nicht zuviel Platz einnehmen darf, damit für den eigentlichen Inhalt noch genug Raum bleibt.

Die Schrift des eigentlichen Inhaltsbereichs muss ebenfalls nicht zwingend eine bestimmte Größe haben. Sie muss aber auch aus einer gewissen Entfernung noch gut lesbar sein. Hier sollte man möglichst eine Schriftgröße (Schriftgrad) von 20 pt nicht unterschreiten. Aufpassen muss man, weil unterschiedliche Schriftarten mit gleichem Schriftgrad eine unterschiedliche optische Schriftgröße haben können.

Helvetica Garamond Bickham
Das Bild zeigt die Schriften Helvetica, Garamond und Bickham Script bei gleichem Schriftgrad im Vergleich (Grafik aus Wikipedia).

Bei der Schriftart ist zu beachten, dass man eine klare und gut lesbare Schriftart wählt. Eine Zierschrift kann manchmal für eine Überschrift oder einzelne Wörter eingesetzt werden, niemals aber im Fließtext, weil sonst die Lesbarkeit extrem leidet.

Beispiel:

Bei der Schriftart ist zu beachten, dass man eine klare und gut lesbare Schriftart wählt.

Diese Schrift nennt sich „BernhardFashion BT“ und hat übrigens den gleichen Schriftgrad wie der übrige Text (12 pt).

Man sieht also, dass es in diesem Bereich keine festen Regeln gibt, die man abarbeiten kann – man muss sich auf das eigene Augenmaß verlassen. Hilfreich ist es, anderen Personen eine fertige Seite der Präsentation zu zeigen (ruhig aus einer etwas größeren Entfernung vom Bildschirm) und zu fragen, wie gut lesbar alles ist. Dieses Feedback sollte man sich auf jeden Fall zu Herzen nehmen.


Harmonische, konsequente Gestaltung


Man sollte sich möglichst auf eine Schriftart festlegen. Ein Hin und Her verschiedener Schriftarten wirkt unruhig und unausgeglichen. Da das Auge solche ständigen Wechsel als Störung wahrnimmt, erschweren sie die Lesbarkeit eines Textes. Der Zuschauer beschäftigt sich dabei unbewusst mehr mit den Schriftarten als mit dem Inhalt der Präsentation. Eine Ausnahme kann dabei der Titel bilden, wenn man eine besondere Schriftart nutzen möchte (siehe oben).

Dagegen kann es sehr hilfreich sein, bewusst verschiedene Schriftgrößen einzusetzen, um Abstufungen zu unterstützen.

Beispiel:

1. Dies ist die Überschrift eines Themas

1.1 Dies ist der erste Unterpunkt des Themas

Das ist der Inhalt des Unterpunkts.

1.2 Dies ist der zweite Unterpunkt des Themas

Das ist der Inhalt des Unterpunkts.

Hier wird das Auge des Zuschauers systematisch auf bestimmte Strukturen gelenkt, die die Zuordnung erleichtern. Ein dauernder Wechsel der Schriftgröße ohne ersichtlichen Grund wirkt hingegen unausgeglichen und verwirrend. Nutzt man verschiedene Textgrößen auf einer Folie, müssen diese logisch nachvollziehbar sein.


Serifen oder nicht?


Serifen nennt man die kleinen, abschließenden Querstriche am oberen oder unteren Ende von Buchstaben. Ob man eine Serifen- oder eine serifenlose Schrift wählt, ist für viele Geschmackssache. Trotzdemgibt es ein paar grundsätzliche Hinweise, die man bedenken sollte.

Serifenschriften:

Dadurch, dass die Buchstaben durch die Serifen „verziert“ werden, kann die Bildschirmdarstellung bei sehr kleinen Schriftgrößen etwas leiden. Daher benutzt man für sehr kleine Texte am Bildschirm meist serifenlose Schriften, weil sie klarer wirken. Bei normaler Schriftgröße und längeren Texten helfen dagegen die Serifen dem Auge, die Wörter miteinander zu verbinden – die Texte lesen sich flüssiger.

Beispiele:

Times New Roman, Courir, Bookman, Garamond

Serifenlose Schriften:

Bei diesen Schriften fehlen die abschließenden Querstriche an den Buchstaben, daher werden sie häufiger wegen der besseren Darstellung am Bildschirm  genutzt. Auf mobilen Geräten mit kleinem Bildschirm wird so die Lesbarkeit erhöht. Weil durch serifenlose Schriften die Lesegeschwindigkeit vermindert wird (das Auge nimmt eher einzelne Buchstaben wahr), werden sie oft für Überschriften eingestzt.

Beispiele:

Arial, Verdana, Microsoft Sans Serif


Das Thema beeinflusst die Schriftart


Bei der Auswahl der Schriftart sollte man auch das Thema berücksichtigen. Wie oben geschrieben, sollten Schmuckschriften am ehesten für den Titel oder Überschriften genutzt werden. Hier zwei Beispiele für die Präsentation eines Logistikunternehmens:

Das erste Beispiel wirkt unpassend. Die Schriftart würde man eher bei einem Blumengeschäft oder einer Buchhandlung vermuten. Das zweite Beispiel wirkt dagegen schnörkellos, klar erkennbarund assoziiert durch die Schrägstellung der Buchstaben eine Bewegung. Das sind natürlich nur zwei willkurliche Beispiele. Entscheidend ist auch hier natürlich der Gesamteindruck.


Die Verfügbarkeit von Schriftarten


Wichtig: Wird die Präsentation auf einem anderen Computer vorgeführt als auf dem, auf dem sie erstellt wurde, können Schriftarten fehlen. Nicht alle Schriftarten sind auf jedem Computer verfügbar. Erkennt ein Computer, dass eine Schriftart fehlt, ersetzt er diese durch eine Standardschriftart wie Times oder Arial.

Das wäre eigentlich nicht schlimm, wenn nicht unterschiedliche Schriftarten eine unterschiedliche optische Schriftgröße haben könnten (siehe oben unter Lesbarkeit). Erschwerend kommt hinzu, dass verschiedene Schriftarten auch noch eine unterschiedliche Laufweite haben können. Diese Laufweite bezeichnet den Abstand zwischen den Zeichen einer Schrift. Passt in Schrift „A“ ein Text gerade noch so in eine Zeile, kann Schrift „B“ schon so weit laufen, dass die Zeile nicht mehr ausreicht und der Aufbau der Präsentationsseite zerstört wird.

Eine Präsentation sollte daher VOR der Präsentation auf jeden Fall auf dem Präsentations-Computer angesehen werden, um böse Überraschungen zu vermeiden.


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© Texte und Bilder by Claudio Bechinie @ Leonardo da Vinci Gymnasium Berlin