Im Schuljahr 2013/2014 nimmt die Schule zum 4. Mal an dem Schulförderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz teil. Schüler erleben gebaute Geschichte und lernen so den Wert und die Bedeutung von Kulturdenkmalen kennen – das ist die Idee von denkmal aktiv. Das Förderprogramm bietet den Rahmen für schulische Projekte zur kulturellen Bildung. Dabei werden die teilnehmenden Schulen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fachlich und organisatorisch begleitet und finanziell unterstützt.

LogoMit denkmal aktiv sollen die Schüler motiviert werden, sich der eigenen Kultur, Geschichte und Umwelt zu nähern und zu lernen, sie zu schätzen und zu achten kleinere unbekannte Denkmale bis hin zu UNESCO-Welterbestätten als Teil der eigenen Geschichte kennen zu lernen ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung für das kulturelle Erbe zu entwickeln für einen respektvollen Umgang mit dem Kulturerbe einzutreten sich aktiv für den Erhalt des kulturellen Erbes einzusetzen.

Im Verlauf eines Projektjahres findet zu Beginn ein Starttreffen statt, zu dem sich die leitenden LehrerInnen der beteiligten Gruppen treffen und über ihre Vorhaben austauschen. Angeregt wird ihre Arbeit durch interessante Rundgänge und Führungen z.B. in historischen Altstädten. Ein weiteres Treffen im zweiten Arbeitshalbjahr dient dem Austausch der Erfahrungen. Hierzu kommen die Lehrer und diesmal auch ausgewählte Schüler zusammen und stellen sich ihre bisherigen Arbeitsergebnisse vor. Zugleich lernen die Schüler in Workshops alte Handwerkstechniken wie z. B. Schmieden oder Lehmbau kennen.


Bisherige Projekte in unterschiedlichen Lerngruppen


2010/11: Denkmale in Bewegung: Gestaltung von kurzen Trickfilmen, in denen die Geschichte von ausgewählten Berliner Denkmalen künstlerisch gestaltet und lebendig nachvollziehbar gemacht wurde. (Kl. 9, Kunstunterricht)


2011/12: Wohnen im 19. Jahrhundert: Ein Wohnhaus mit seinen Gestaltungselementen diente als ästhetischer Impuls für Textilmuster (LK Kunst, 2. Sem., Produktgestaltung/ Mode)

Ein Fassadendetail

Ein Fassadendetail …

… und dessen künstlerische Umgestaltung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Muster 1 Muster 2

 

 

 

 

 

 

 

 


2012/13 Berliner Baustoffe: künstlerisches Erproben der Möglichkeiten verschiedener Materialien (WF Kunst, Jg. 9)


Im Rahmen des Projektes besuchte eine Wahlpflichtgruppe die Ziegelei in Mildenberg und lernte vor Ort die aufwändige Technik der Ziegelherstellung kennen. Im weiteren Verlauf des Unterrichtes war daraufhin Verwendung von Ziegeln bei der Besichtigung von konkreten Bauwerken besser verständlich. Als weiteres Material wurde auch Gips in seiner architektonischen Verwendung kennengelernt. In einem anschließenden Bildhauerworkshop widmeten sich die SchülerInnen unter Leitung eines Künstlers der Gestaltung von Köpfen aus Gipsblöcken.

Gipskopf 1 Gipskopf 2

 

 

 

 

 

 


Unbequeme Denkmale (laufendes Projekt 2013/14): Das ehemalige Notaufnahmelager Marienfelde im Zentrum einer gesamtkünstlerischen Auseinandersetzung im Fach Kulturwerkstatt (WF, Jg. 9)


I. Ortsbegehung:

Zimmer im Lager Marienfelde

Zimmer im Lager Marienfelde

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ist das zentrale Museum in Deutschland zum Thema Flucht und Ausreise aus der DDR. Dort wurde ab 1953 ein Großteil der Flüchtlinge untergebracht, versorgt und die Verfahren für eine Aufenthaltsgenehmigung wurden vorbereitet. An diesem authentischen Ort findet man eine Ausstellung, die Ursachen, Verlauf und Folgen der deutsch-deutschen Fluchtbewegung zeigt. Interessant ist auch die aktuelle Nutzung: Auf dem Gelände befindet sich ein Übergangswohnheim für Asylsuchende, das seit 2012 dort eingerichtet wurde und bis heute genutzt wird.

Mit den Schülern haben wir den Ort besucht und die Eindrücke im Unterricht aufgegriffen und ausgewertet.

II. Projektarbeit:

Eine junge Frau aus Mazedonien berichtet von den Erfahrungen aus dem Heim in Marienfelde.

Eine junge Frau aus Mazedonien berichtet von den Erfahrungen aus dem Heim in Marienfelde.

Folgende Fragen beschäftigen uns: Was trieb die Menschen zur Flucht aus der DDR an? Was gaben sie dort für eine ungewisse Zukunft auf? Wie war das Leben im Lager?
Ergänzt werden kann die Auseinandersetzung auch mit Fragen zur Situation der heutigen Bewohner: Was trieb die Menschen aus dem Übergangswohnheim zur Flucht an? Welche europäischen oder außereuropäischen Erfahrungen von Flucht und Vertreibung können sie berichten?

Die verschiedenen familiären Hintergründe der Schülerinnen und Schüler erleichtern den Zugang zu den Themen.
Zeitzeugenbesuch: Der Besuch einer jungen Frau aus Mazedonien bereicherte unseren Unterricht, da sie von den Erfahrungen ihrer Familie aus dem Heim in Marienfelde berichten konnte.

III. Das ehemalige Lager – ein unbequemes Denkmal?
Die direkte Begegnung mit dem ehemaligen Lager, das mit seiner Architektur und seinen Räumen auch eine physische Präsenz hat, führt zu der Frage nach dem „Wert“ eines solchen Denkmals. Sicher gehört ein Ort wie das Notaufnahmelager nicht zu der Vorstellung der Schülerinnen und Schülern von „richtigen“ Denkmalen. Eine Einführung in das Thema Denkmalschutz nimmt daher eine zentrale Position im Unterricht ein.
Es geht uns in diesem Projekt durch den biografischen Ansatz insbesondere darum, das Denkmal mit der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu verknüpfen und so von seinem Sockel zu holen. Wir möchten darüber auch eine Auseinandersetzung mit dem Begriff des Denkmals initiieren und beabsichtigen, den direkten Nutzwert, den Zugang, die Lesbarkeit, die Intensität, die jeder Einzelne im „unbequemen Denkmal“ erfahren kann, besonders zu fokussieren.

IV. Präsentation:
Dem Grundgedanken der fächerübergreifenden Arbeit wohnt die Voraussetzung inne, unterschiedliche Wege der inhaltlichen Beschäftigung zuzulassen. Dementsprechend ist das „Ergebnis“ bzw. „Ziel“ offen und kann lediglich mit möglichen Eckpunkten skizziert bzw. imaginiert werden.
In der Erinnerungsstätte erfahren die Schüler von konkreten Lebensgeschichten auch durch persönliche Gegenstände: Illustrierte Biographien, die Einzelschicksalen nachspüren, können die Arbeit begleiten. So verknüpfen Gegenstände und Biografien u.U. fremde Biografien mit eigenen.
Es könnte ein Theaterabend entstehen, der mit den Mitteln des Biografischen Theaters die Auseinandersetzung mit dem unbequemen Denkmal einfängt.