Da viele Schüler/innen unserer Schule als zweite Fremdsprache Französisch gewählt haben, entstand die Idee eines freiwilligen Austausch mit einer französischen Schule. Da diese Idee bei Schüler/innen und deren Eltern auf Anklang stieß, stellten Frau Wachter und Herr  Chauvin den Kontakt mit dem Lycée international Jules Guesde in Montpellier her. Aus unserer Schule beteiligten sich insgesamt 22 Schüler/innen aus den 9. und 10. Klassen sowie dem Leistungskurs und Grundkurs, die sich bereit erklärten, jeweils eine/n  Austauschschüler/in aus Montpellier bei sich zu Hause aufzunehmen.

Direkt nach den Winterferien in der Woche vom 08. Februar bis 14. Februar 2016 sollte es soweit sein: Zuerst erwarteten wir die Franzosen bei uns in Deutschland. Die passenden Austauschpaare wurden im Voraus von den beteiligten Lehrern zusammen gestellt. Alle waren sehr gespannt, wer zu ihnen kommen würde. Um sich vorher schon ein wenig kennenzulernen und einen ersten Eindruck voneinander zu bekommen, erhielt jede/r Austauschschüler/in einen Steckbrief von ihrem oder seinem Partner/in. Dieser beinhaltete ein Foto sowie Informationen über Hobbys, Charaktereigenschaften, eventuelle Allergien und Emailadressen, Telefonnummern, oder ggf. Facebook-Namen, um einen ersten Kontakt herzustellen.

Am Montag, den 08. Februar, war es dann soweit! Wir warteten gemeinsam mit Frau Wachter, Herrn Chauvin und einigen Eltern am Schönefelder Flughafen, um die französischen Schüler/innen und ihre Lehrerinnen zu empfangen und herzlich Willkommen zu heißen. Alle begrüßten sich freundlich, aber auch ein bisschen peinlich berührt und unbeholfen. Nachdem einige organisatorische Dinge unter den Lehrkräften geklärt worden waren und sich die Austauschschüler/innen gegenseitig mit roten Köpfen anschwiegen, fuhren alle zu sich nach Hause.

Alle hatten für die Gäste Vorbereitungen getroffen, um ihnen ihren Aufenthalt in Berlin so angenehm wie möglich zu machen. Den restlichen Tag nutzte jede/r die Möglichkeit, sich für die bevorstehende Woche einzurichten, und die neue Gastfamilie kennenzulernen. Die anfängliche Scheu verflog bei den meisten nach kurzer Zeit, und mithilfe von Wörterbuch und Google Übersetzer 🙂 konnten wir schon fast ein Gespräch führen.

Für die kommende Woche stand ein Aktionsprogramm für die Franzosen fest. Jeden Vormittag außer Donnerstag hospitierten die französischen Schüler und Schülerinnen in den jeweiligen Klassen und Kursen, um den Unterricht an einer deutschen Schule kennenzulernen. Danach waren jeweils Ausflüge zu verschiedenen Museen und Sehenswürdigkeiten geplant, die sie selbstständig mit ihren Lehrerinnen unternahmen.

Um 18:30 Uhr holten die deutschen Schüler/innen ihre Austauschpartner/innen jeden Tag am U-Bahnhof  Johannisthaler Chaussee oder S-Bahnhof Buckower Chaussee ab. Am Donnerstag fuhren alle Schüler/innen aus Deutschland und alle Schüler/innen aus Frankreich gemeinsam nach Potsdam. Dort besichtigten wir Schloss Sanssouci und nahmen an einer Führung teil. Der Abend wurde jeden Tag von den Schüler/innen und den Gastfamilien individuell gestaltet. Nach kurzer Zeit hatten sich einige Freundesgruppen gebildet, die sich so gut wie jeden Abend zum essen gehen, shoppen oder zum quatschen und etwas trinken gehen trafen.

Der Samstag stand zur freien Verfügung und war komplett selbst zu organisieren. Da dies der letzte Tag war, gab es noch einmal die Möglichkeit, auf Wünsche der Gäste einzugehen und etwas zu unternehmen, was im Wochenprogramm kein Platz gefunden hatte. Wir zeigten den Franzosen unsere Lieblingsplätze in Berlin z.B. zum shoppen den Ku’damm und die Schloßstraße, gingen essen und danach gemeinsam etwas trinken. Der letzte Abend war wie meistens der lustigste und verging viel zu schnell.

Am Sonntag, den 15. Februar, war die Woche schon wieder zu Ende.

Am Flughafen verabschiedeten wir unsere Austauschpartner/innen und neu gewonnenen Freunde. Da wir schon vom 08. bis 15. April 2016 nach Frankreich fahren und uns alle bald wieder sehen werden, fiel uns der Abschied nicht ganz so schwer.

Die Woche war eine interessante Erfahrung und bestand für mich aus gemischten Gefühlen wie Angst vor Verständigungsproblemen, Unsicherheit beim Umgang mit meinem Austauschpartner, Freude und Erleichterung, dass die Woche insgesamt eine gute Erfahrung war. Es geht nicht darum, sich besonders gut mit seiner/seinem Austauschpartner/in zu verstehen, sondern eine andere Kultur, Sprache sowie eine neue Stadt und ein neues Land kennenzulernen. Neue Bekannt- und Freundschaften können natürlich auch entstehen.

Die Vorurteile, die man gegenseitig hatte, haben sich zum größten Teil nicht bestätigt. Deutsche essen nicht immer Wurst und Franzosen nicht immer Baguette! Für meinen Teil kann ich jedem weiter empfehlen, an einem Austausch teilzunehmen. Auch wenn ich als eher schüchterner Mensch vor unbekannten Leuten zwischendurch vor Aufregung und Überwindung fast hyperventilierte, ist es eine Erfahrung, die einen sein Leben lang prägt und weiter bringt.

Amie Buhle, 24.02.16