Neukölln von unten

Neukölln von unten

Alle reden über den Film "Knallhart". Er erzählt von der "Bruchlandung" des 15jährigen Michael, den es von Zehlendorf nach Neukölln verschlägt. Der Film von Detlev Buck basiert auf einem Roman von Gregor Tessnow. Im Rahmen des Projekts "Schüler machen Zeitung" hatte jetzt eine Neuköllner Klasse Gelegenheit, mit dem Autor zu diskutieren.

Als wir Gregor Tessnow im Konferenzraum der "Berliner Morgenpost" kennenlernen, vermittelt er erst einmal einen ganz anderen Eindruck als sein Buch "Knallhart": Der 37-Jährige ist eher ein lustiger und spontaner Typ, von dem man nie denken würde, dass er Kontakt zur Drogen-Szene hätte. Ganz offen erzählt er von seiner Schulzeit. In der siebten Klasse flog er vom Gymnasium, machte dann an der Realschule die Mittlere Reife und eine Maurerlehre, holte anschließend das Fachabi nach. An eine Schriftstellerkarriere war damals nicht zu denken. Zwar lebte er lange Zeit in seiner "heilen" Zehlendorfer Welt, doch als er Geld verdienen musste und acht Jahre lang im Taxi kreuz und quer durch Berlin fuhr, bekam er den ganzen Trouble mit. Der Roman "Knallhart" entstand auch durch eine unsinnige Wette, die Gregor Tessnow mit seinem Freund Zoran Drvenkar am Laufen hatte. Er verlor sie, setzte sich dann aber ran und schaffte es, das Buch innerhalb von drei Monaten fertig zu stellen. "Um zu arbeiten, brauche ich keine besondere Atmosphäre. Ich darf nur nicht unter Druck stehen", sagt er. Zusammen mit Zoran Drvenkar hat Gregor Tessnow übrigens auch das Drehbuch zum Film geschrieben.

Viele Schüler, die im Kino waren, aber das Buch nicht gelesen hatten, sagten bei der Diskussion, dass im Film manche Zusammenhänge unklar blieben. Dieser Meinung ist - wenigstens teilweise - auch Gregor Tessnow. Andere Schüler, die das Buch kennen, kritisierten, dass Personen und Handlungen im Film vorkommen, die im Buch fehlen. Gregor Tessnow erklärte uns, dass für das Drehbuch noch Wünsche des Regisseurs und anderer Filmleute berücksichtigt werden mussten. Diese fanden z. B., dass in der Geschichte noch Mädchen und Frauen fehlen würden. So wird im Film eine Liebesgeschichte zwischen Michael und einem Mädchen angedeutet. Auch der Lauf der Roman-Story wurde nicht vollständig übernommen. Hie und da wurden neue Personen eingebaut und Szenen gestrichen.

Im Film spielt Michael Polischkas Mutter eine größere Rolle als im Buch. Sie bekommt gar nicht mit, daß ihr Sohn zum Drogenkurier wird, weil sie mit ihrem eigenen Leben nicht richtig klarkommt. Die Mutter wird dargestellt von Jenny Elvers-Elbertzhagen, die Gregor Tessnow übrigens für eine Super-Besetzung hält. Der Film versucht auch, Errol, Polischkas Feind, etwas menschlicher darzustellen, indem er ihn als Vater mit Kinderwagen zeigt.

Um die Story genau nachvollziehen zu können, sollte man am besten nach dem Kino-Besuch das gleichnamige Buch durchlesen. Vielleicht können wir auch auf eine "Knallhart"-Fortsetzung hoffen. Gregor Tessnow wollte diese Möglichkeit jedenfalls nicht ausschließen ... trotz aller Kritik ist der Film wirklich sehenswert. Er behandelt ein schwieriges Thema, doch er hat auch viel Witz und Pepp. Und spätestens, nachdem man das Buch gelesen hat, sollten sich dann sämtliche Fragen erübrigen.

Annika Sangen-Emden, Olivia Kihn, Lisa Ritzkat, Miriam Mehlis,
Leonardo-da-Vinci-Oberschule, Klasse 8.3, Neukölln


Aus der Berliner Morgenpost vom 20. März 2006

 

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